SAMSAS TRAUM "a.Ura"

Erscheinungsjahr: 2004
Label: Trisol
Stil: -
Homepage: http://www.samsas-traum.info / http://www.aurora-acht.de

Wie lange habe ich darauf gewartet. Zugegeben, eigentlich halten sich die Wartenzeiten auf neue Veröffentlichungen aus der Samsas Traum Fabrik in Grenzen, im Durchschnitt gibt es alle 6 Monate irgendeine Veröffentlichung, seien es Remix-Alben, Best Ofs oder irgendetwas anderes. Trotzdem freut man sich immer wie ein kleines Kind, wenn ein neues Album angekündigt wird. "a.Ura und das Schnecken.Haus" bildet da keine Ausnahme, auch wenn mich der Appetizer in Form der Single / Best Of Mischung "Endstation.Eden" vor wenigen Monaten etwas enttäuscht hat.
"a.Ura und das Schnecken.Haus" ist, um es vorwegzunehmen, ein Meisterwerk geworden. Das Doppelalbum enthält satte 23 Songs mit einer Spielzeit von über 100 Minuten. Wer allerdings ein zweites "Tineoidea" erwartet, kennt die Band um Mastermind Alexander Kaschte nicht und wird evtl. sehr enttäuscht sein. Denn kaum ein Samsas Traum Werk gleicht dem anderen. "a.Ura" macht da keine Ausnahme, ist gleich zu Beginn weniger bombastisch und brachial als der Vorgänger, sondern schlägt viel akustischere Töne an. Die Songs klingen Anfangs (wie immer) etwas gewöhnungsbedürftig --- allen voran die wirklich abgedrehten Songs "Flohzirkus" und "Ich wünsch' mir, dass das Zebra schweigt" --- doch man freundet sich schnell mit den sehr abwechslungsreichen Songs an. Vom düster romantischen Titeltrack, hin zum gnadenlos überdramatisierten, in wahnsinnigem Gelächter endenden "Der Spiegel sieht mich nicht" bis zu nachdenklichen, von Pianoklängen getragenen Songs wie "Ein Kater kennt den Weg" ist alles vertreten. Aber keine Sorge, es finden sich auch "typische" Samsas Traum Songs wie das eingängige, mit netten E-Gitarren unterlegte "Sisyphos" oder "K.haos-Prinz und Wind-Prinzessin" auf dem Album wieder. Es gibt ebenso einige wirklich superbe Ohrwürmer wie das bereits veröffentlichte "Endstation.Eden" oder das grandiose "Dort oben sterben Tiere". Gänsehaut garantiert!
Im Vergleich zu Tineoidea ist die Anzahl an Gastsängern sehr klein ausgefallen. Dieses mal gibt es "nur" 2 an der Zahl: Constance von Blutengel hat nach ihrem überzeugenden Kurzauftritt auf "Tineoidea" wieder zum Mikrofon gegriffen und der "Königin der Kinder.Katzen" ihre Stimme geliehen. Der zweite Gast hört auf den Namen Alf Poier und hat die kurze Sprechrolle des Zebras im bereits erwähnten "Ich wünsch' mir, dass das Zebra schweigt" übernommen. Beide machen ihre Sache sehr gut, Constance singt auf gewohnt hohem Niveau und Alf Poier klingt so herrlich überdreht und schräg, das es immer wieder eine Freude ist, seinen kurzen Auftrit zu hören.
Die auf 1999 Stück limitierte Edition erscheint in einem wunderschön gestalteten Din A5 Pappschuber und enthält neben einem Video Clip vom Mera Luna 2004 noch zwei (vergleichsweise unspektakuläre) Bonustracks. "Lacrima Christi" ist ein Instrumental und kaum erwähnenswert, die Adversus Interpretation von der Samsas Traum Hymne "Dies ist kein Traum" ist mehr schlecht als recht geworden und kommt nicht ansatzweise an das faszinierende Original heran. Zwar versucht Rosendorn dem Song seinen Stempel aufzudrücken und ihn nicht einfach nur zu kopieren, das misslingt aber vollkommen.


Fazit: Samsas Traum kann man nur lieben oder hassen, und das wird sich mit dem Album garantiert nicht ändern. Alex Kaschte geht die Sache sehr unkonventionell und experimentell an, ich wage sogar zu behaupten, dass "a.Ura und das Schnecken.Haus" wieder etwas schwerer zu Verdauen ist als "Tineoidea". Ich liebe die Musik und kann sie jedem nur ans Herz legen. "a.Ura" ist ein grossartiges Album und eine der besten Veröffentlichungen aus dem Hause Samsas Traum. Wer allerdings noch nie etwas mit A.K. und seiner Musik anfangen konnte, sollte die CD gleich im Laden liegen lassen.

Anspieltipps: K.ein einziges Wort, Sisyphos, a.Ura und das Schnecken.Haus, Ein Name im Kristall

M E N S C H E N F E I N D